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Katharina Schubernigg (95):

Ein liebender Vater im Himmel

Die Lebens- und Bekehrungsgeschichte einer österreichischen Schwester der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Klagenfurt, Frühjahr 1956. Mein Mann Georg Schubernigg arbeitete bei der Post. Ich war zu Hause bei den Kindern Bernd (3) und Isabella (4 Monate). Vormittags war ich meist damit beschäftigt, Isabella zu baden, zu füttern und Wäsche zu waschen. Gerade wollte ich mit einer Schüssel in den Garten gehen, um Gemüse zu holen, da standen zwei junge Männer vor der Tür, die mit einer ruhigen, warmen Stimme sagten: „Wir kommen von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und haben eine frohe Botschaft für Sie.“ Ich bat sie hereinzukommen und sich zu setzen. Mein kleiner Sohn Bernd spielte zwanglos weiter und meine Tochter Isabella schlief in ihrem Stubenkorb. Plötzlich durchströmte mich ein warmes Gefühl des Friedens und der Geborgenheit. Ich erhielt von ihnen eine Broschüre, und als ich später darin las, liefen mir Tränen übers Gesicht. Ich spürte, dass die Botschaft darin wahr ist! Meine Gedanken wanderten 33 Jahre zurück, als meine Schwester und ich innerhalb weniger Monate Mutter und Vater verloren hatten und in ein Kloster mußten. Plötzlich erschienen alle Mühsale und Erfahrungen meines bisherigen Lebens sinnvoll. Ich fühlte, es gibt einen liebenden Vater im Himmel, der uns nicht vergessen und nicht alleine gelassen hat. In seiner Liebe unternahm er alle Anstrengungen, um uns wieder zu ihm zurückfinden zu lassen. Das waren so meine Gedanken, und ich wunderte mich darüber.

Als mein Mann nach Hause kam, erzählte ich ihm von den Missionaren und wies auf die Broschüre am Tisch hin. Er blätterte etwas darin und war plötzlich sehr aufgebracht, was ich nicht verstehen konnte. Er sagte mir: „Lass die Finger davon! Die wollen nur Geld von uns.“

Nach acht Tagen läutete es und die beiden Missionare standen vor mir. Im Esszimmer erzählte ich ihnen, was mein Mann geantwortet hatte. Die Missionare hörten mir aufmerksam zu, stellten einiges richtig und wollten gern mit meinem Mann darüber sprechen, doch er wollte das nicht. Als sie ihn einmal zufällig antrafen, fragten sie ihn, ob er etwas dagegen habe, dass sie mich belehrten. Er war sichtlich damit einverstanden, wollte aber selbst nicht daran teilnehmen.

Die Missionare belehrten mich weiter, gaben mir ein Buch Mormon, steckten mir Ziele und luden mich ein, am Sonntag in die Kirche zu kommen. Eines Sonntags ging ich dann mit den Kindern zur Sonntagsschule. Ich war sehr beeindruckt.

Katharina Schubernigg mit Isabella (2) vor ihrer Übersiedlung nach Wien Archivfoto
Katharina Schubernigg mit Isabella (2) vor ihrer Übersiedlung nach Wien

Bei der nächsten Gelegenheit sagte ich meinem Mann, dass ich mich gerne taufen lassen wollte und bat ihn um sein Einverständnis. Er antwortete: „Ja, du kannst dich taufen lassen, aber zuerst lassen wir uns scheiden!“ Im ersten Moment war es für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Doch dann beruhigte ich mich wieder, ich hatte mein Möglichstes getan. Ungefähr eine Woche später bekam ich einen Gerichtsbrief bezüglich der Ehescheidung und am 4. September 1956 wurde unsere Ehe geschieden und ich musste zusammen mit den Kindern das gemeinsam gebaute Haus verlassen. Gut einen Monat später wurde ich getauft.

Von nun an belehrten mich Missionarinnen. Sie halfen mir, eine Wohnung zu finden, doch da mir und den Kindern wenig zum Leben blieb, bemühte ich mich zuerst vergeblich um eine Arbeitsstelle und bewarb mich dann auf Anraten unseres damaligen Distriktspräsidenten um einen freistehenden Hausbesorgerposten in Wien, wo eine unserer Kirchengemeinden untergebracht war. Nachdem ich diesen Posten und eine kleine Wohnung in Wien erhalten hatte, fand die schlimmste Not ein Ende. Im Laufe der Zeit stellte sich durch das Halten der Gebote, insbesondere das Zahlen des Zehnten, nach und nach auch der zeitliche Segen ein. Ich konnte eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvieren und selbständig für den Unterhalt unserer kleinen Familie sorgen.

 

Aus Dankbarkeit und Liebe zum Herrn erfüllte ich insgesamt eine Vollzeit- und drei Tempelmissionen. Ich gebe Zeugnis, dass der Herr seine Verheißungen erfüllt.


Wenn etwas im Leben nicht so läuft, wie wir es erwarten, pflegt Sr. Schubernigg zu sagen: „Wer weiß, wahrscheinlich hat der Vater im Himmel noch etwas Besseres im Sinn!“