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Ohne sie können wir nicht vollkommen gemacht werden

David P. Homer, Schweiz Gebietssiebziger
David P. Homer, Schweiz Gebietssiebziger

In den letzten Monaten seines Lebens dachte der Prophet Joseph Smith häufig über die Bedeutung stellvertretend zu erledigender heiliger Handlungen für die Verstorbenen nach. Tatsächlich erachtete er die Arbeit für unsere Vorfahren als so wichtig, dass er erklärte: „Ihre Errettung ist für unsere eigene Errettung notwendig und wesentlich … sie [können] nicht ohne uns vollkommen gemacht werden … und auch wir können ohne unsere Toten nicht vollkommen gemacht werden“.

Es lässt sich leicht nachvollziehen, inwiefern unsere Vorfahren durch die stellvertretende Arbeit vollkommen gemacht werden können. Schließlich würden sie ohne uns die heiligen Handlungen, die für ihre Errettung notwendig sind, nicht erhalten. Nicht so leicht zu verstehen ist es jedoch, inwiefern „unsere Toten“ uns dabei helfen können, vollkommen zu werden. Obgleich es sich in der Schriftstelle wohl um ein eher allgemeines Konzept handelt, weil es um die Verstorbenen aller Lebenden geht, ist doch auch eine persönlichere Bedeutung darin erhalten: Wir werden dazu aufgefordert, „unsere [eigenen] Toten“ ausfindig zu machen, da uns ebendies zum Fortschritt verhilft.

Wenn wir unsere Vorfahren ausfindig machen, laden wir den Geist des Elija in unser Leben ein, und dieser läutert und stärkt uns. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Da verschiedene meiner Angehörigen bereits umfangreich Genealogie betrieben haben, ist es gar nicht mehr so einfach, Vorfahren zu finden, für die die Tempelverordnungen noch erledigt werden müssen. Vor kurzem hat mir ein Freund – ein Familienforschungsexperte – dabei geholfen, eine bislang noch unentdeckte Vorfahrin ausfindig zu machen. Ich kann die Gefühle, die ich an dem Tag hatte, nur schwer beschreiben. Ich war völlig überwältigt, als wir ihren Namen für den Tempel vorbereiteten. Es schien, als hätte sie bereits sehr lange gewartet. Ich spürte den läuternden Einfluss des Geistes. Wie bei den Menschen, die seinerzeit König Benjamin zugehört haben, schien sich auch mein Herz zu wandeln. Ich wollte ein besserer Mensch sein. Ich wollte treu sein, damit ich meiner Vorfahrin eines Tages begegnen und mich für den Einfluss bedanken kann, den sie auf mein Leben ausgeübt hat.

Wenn wir unsere Vorfahren ausfindig machen, stärkt uns das auch, weil wir uns mit ihrem Leben befassen und vieles entdecken, was sich auch auf unser Leben beziehen lässt. Im Winter 1847 befand sich Russel King Homer unter den Heiligen in Winter Quarters. Unter großen Mühen bereiteten sie sich auf den Treck mit Brigham Young nach Utah vor, der später im selben Jahr beginnen sollte. Drei Tage bevor die Heiligen aufbrachen, ging Elder Heber C. Kimball vom Kollegium der Zwölf Apostel zu Homer und bat ihn, ein Opfer zu bringen: Er sollte zurückbleiben und seinen Wagen, seine Gruppe und all seine Güter anderen überlassen, damit sie an seiner Statt losziehen konnten.

Es muss für Homer äußerst schwer gewesen sein, dabei zuzusehen, wie sich andere mit seiner Habe auf den Weg machten. Doch anstatt das Opfer zu verweigern oder deswegen zu grollen, machte er einfach weiter und vertraute darauf, dass alles zu seinem Besten sein werde. In den nachfolgenden Jahren half er Tausenden Heiligen bei den letzten Vorbereitungen auf die Durchquerung der Prärie nach Utah. Schließlich trat er 1859 seine letzte Reise an und führte eine Handkarrenabteilung gen Westen, wo er sich mit seiner Familie niederließ und seinen Lebensabend verbrachte.

Immer wenn ich Enttäuschung erfahre oder mir Schweres abverlangt wird, denke ich an meinen Ururgroßvater Russel King Homer. Anstatt gegen Herausforderungen, die sich auftun, anzugehen oder deswegen zu grollen, kann ich – genau wie er – vorangehen und darauf vertrauen, dass alles zu meinem Besten ist. Was mein Vorfahr im Laufe seines Lebens erlebt und daraus gelernt hat, kann mir auf ganz greifbare Art helfen, mein eigenes Leben zu verbessern.

Kein Wunder, dass der Prophet Joseph Smith so häufig über diese grundlegende Lehre nachdachte. Es ist für unsere Errettung entscheidend, dass wir „unsere Toten“ finden, weil wir dadurch den Geist in unser Herz einladen und vieles lernen, wodurch wir unser Leben verbessern können. Diese Lehre ist für uns äußerst wichtig, denn „sie [können] nicht ohne uns vollkommen gemacht werden … und auch wir können ohne unsere Toten nicht vollkommen gemacht werden“.

Anmerkungen

1 Siehe Lehre und Bündnisse 128:1

 

2 Lehre und Bündnisse 128:15

 

3 Siehe Mosia 5:2

 

4 „History of Russel King Homer“, William E. Homer, 2015, Seite 61

 

5 Siehe lds.org, „Mormon Pioneer Overland Travel“ (Landüberquerung der Mormonenpioniere)