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„… also gründeten wir den ersten Aphasiechor Österreichs“

„… also gründeten wir den ersten Aphasiechor Österreichs“

Wiener Neustadt/Wien: Im Jahre 2009 hatte mein Mann Helmut einen schweren Schlaganfall, er überlebte wie durch ein Wunder, was aber zurückblieb, ist eine Aphasie – eine erworbene Sprachstörung. Trotz vieler Einheiten bei Logopäden und Übungen zu Hause besserte sich diese nur unwesentlich.

Vor zwei Jahren erfuhr ich von einem Bruder, dass es in der Schweiz Aphasiechöre gibt. Das fand ich sehr interessant und fand bei meinen Recherchen heraus, dass Menschen, die sich nicht oder nicht gut artikulieren können, durchaus klare Worte zu singen vermögen, da die Sprache, die zur Musik gehört, in anderen Arealen des Gehirns gespeichert als die Sprache selbst. Leider musste ich feststellen, dass es in Österreich bisher keinen Aphasiechor gab. Ich hatte nur die Wahl, selbst einen solchen Chor zu gründen – und das tat ich dann auch.

Die Heilmasseurin Andrea Enenkel, die lange Zeit als Chorleiterin in der Gemeinde Wiener Neustadt gedient hatte, sagte mir auf meine Frage, ob sie eine solchen Chor leiten würde, sofort begeistert zu. Die Sänger des neuen Chores fand ich über Frau Dr. Jaqueline Stark, der Leiterin des Aphasie Clubs in Wien, die uns mit den Mitgliedern ihres Clubs zusammenbrachte. Schließlich fanden wir noch den geeigneten Proberaum, nämlich die Räumlichkeiten im Wiener Pfahlzentrum in der Böcklinstraße, die behindertengerecht, mit einem Klavier ausgestattet, leicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und obendrein kostenlos sind.

Und so begannen wir im April 2014 mit den Chorproben des ersten Aphasiechores Österreichs. Anwesend waren acht Sänger, eine Begleitperson, Frau Dr. Stark und natürlich unsere Chorleiterin Sr. Andrea Enenkel und ich. Nach der Vorstellungsrunde kamen die Stimmübungen, und anschließend wurde gesummt, gebrummt und gesungen – Lieder, die wir alle von früher kennen. Die Stimmung war sehr entspannt, und man konnte sehen, wie viel Freude allen das Mitmachen bereitete. Zwischendurch wurde viel gelacht und anschließend gab es gesellige Gespräche bei Kuchen und Getränken.

Mittlerweile haben wir eine gut gefüllte Mappe mit den verschiedensten Liedern. Von Volksliedern, über Schlager, englischen Titeln und Gospels ist alles dabei. Bei den Proben gibt es auch immer Wunschlieder einzelner, die berücksichtigt werden. Wir treffen uns 14-tägig und die meisten Teilnehmer der ersten Stunde kommen immer noch mehr oder weniger regelmäßig und eine weitere Dame kam neu hinzu. Unseren ersten öffentlichen Auftritt hatten wir bei einer Veranstaltung der Akademie der Wissenschaften. Die Aufregung war groß und wir probten monatelang dafür. Zwischen den Programmpunkten sangen wir mehrere Lieder, die, dem Applaus nach zu schließen, gut ankamen. Als nächstes sangen wir bei einem Abendmahlsgottesdienst in der Gemeinde Wiener Neustadt zwei Kirchenlieder, die wir schon einige Zeit geübt hatten. Beim Anfangslied, das wir sangen, war der Geist sehr stark zu fühlen, viele Mitglieder hatten Tränen in den Augen und auch unsere Sänger waren sehr angetan.

Ich bin sehr dankbar, dass wir durch diesen Chor für ein paar Kinder des Himmlischen Vaters ein wenig Freude zurück ins Leben bringen können. Schwester Enenkel, mein Mann und ich fühlen uns sehr gesegnet und sind dem Herrn dankbar, dass wir in dieser Weise dienen dürfen.