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„Sprachst du dein Gebet?“ Wanderungen zweier Gemeinden

„Sprachst du dein Gebet?“ Wanderungen zweier Gemeinden

Kärnten/Steiermark: Für den 15. August 2014, einem katholischen Feiertag, waren im Urlaubsland Kärnten die Wettervorhersagen denkbar schlecht. Dennoch entschlossen sich etwa 25 Mitglieder der Gemeinde Klagenfurt, mit den Vollzeitmissionaren Elder Pope, Graver, Jimenez und Sumpsion eine Wanderung auf das Dreiländereck zu unternehmen. Zunächst wurde gemeinsam gebetet – dann marschierte man los. Kleinkinder und ihre BegleiterInnen wurden mit der Sesselbahn in luftige Höhen transportiert, die übrigen Wanderer erstiegen in unterschiedlicher Schnelligkeit den Berg, auf dem die drei Länder Österreich, Italien und Slowenien aneinander grenzen und auch das Gipfelkreuz von dieser kulturellen Berührung zeugt. „Es überraschte mich, hier nicht nur Deutsch sprechende Menschen zu sehen, sondern auch zahlreiche Italiener und Slowenen. Die Atmosphäre einer solchen freundlichen Begegnung zwischen Nachbarn beeindruckte mich sehr“, sagte Elder Graver.

Ein besonderes Erlebnis wurde den Brüdern und Schwestern zuteil, die nicht zu den Jüngsten gehörten und daher die Nachhut bildeten. „Wir gingen in einer grauen Wolke dem Gipfel zu. Da plötzlich hörten wir einen schönen, vertrauten Gesang. Wenig später drangen bereits die Sonnenstrahlen durch das Grau und wir sahen, wie all die Menschen auf dem Gipfel sich um die Fenster der kleinen Berghütte scharten und dem Gesang lauschten, den der Gemeindemissionsleiter Heinz Mauch und die Missionare im Innern der Hütte angestimmt hatten“, erzählt Bischof Benjamin Kaiser. Die Brüder sangen das Lied „Wie süß die Stund“ – es sollte ein Ausdruck ihrer Dankbarkeit dafür sein, in einem so schönen Land leben zu dürfen und dass auch die Wetterlage diesen Aufstieg auf den Gipfel zugelassen hatte. Während des herzhaften Gesangs hatte sich die Wolkendecke geöffnet. Bischof Kaiser und die spät Ankommenden hörten nur mehr die letzte Strophe des Liedes, die genau zu ihrer Situation passte: „Wenn dornig auch mein Lebenspfad, wenn mein Fuß oft irre geht, vom Herrn mir dann die Hilfe naht als Antwort aufs Gebet ...“ Zu regnen begann es an diesem Tag erst, als alle Wanderer im Tal angekommen und in ihre Autos gestiegen waren.

Auch die Mitglieder der Gemeinde Graz unternehmen oft gemeinsame Wanderungen – und auch sie tun dies nie, ohne davor und danach gemeinsam zu beten. Seit Jahren nutzen sie den 1. Mai, den „Tag der Arbeit“, um ihre geschwisterlichen Beziehungen zu stärken. Irene Gschwandner und ihr Mann sind von diesen sportlichen Ausflügen begeistert. Schwéster Gschwandner kommt im Rückblick ins Schwärmen: „Es ist eine wunderbare Gelegenheit, die waldigen Hügel, felsigen Berge, Wälder und grünen Täler im Umkreis des Grazer Hausbergs Schöckel zu erkunden, die vom gütigen Vater in seiner Liebe in vermehrter Konzentration ausgestreut worden sind, um das Herz der Menschenkinder zu erfreuen.“

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Die Jungen Männer der Gemeinde Graz Boas Lex, Aime Pedro Kiako, Alexander Kober und Elisas Mielacher trotzten der Witterung (Foto: Georgia Tew) 

Die Jungen Männer der Gemeinde Graz Boas Lex, Aime Pedro Kiako, 

Alexander Kober

 und Elisas Mielacher trotzten der Witterung (Foto: Georgia Tew) 

Die Grazer Mitglieder umrundeten heuer vom Steinmetzwirt aus die Hohe Rannach auf der sogenannten „kleinen Wanderung', wobei sich gleich zu Beginn schnelle, mittlere und langsamere Gruppen bildeten. Vor allem die Jugendlichen waren den anderen bald um einiges voraus. „Für manchen war es wahrlich ein Tag der Arbeit“, erzählt Schwester Gschwandner, „denn es ging buchstäblich über Stock und Stein, aber auch über erdigen Waldboden. Vogelgezwitscher und blühende Blumen grüßten am Wegesrand. Plötzlich öffnete sich der Wald an einer Stelle und man gewann die Aussicht auf ein liebliches Tal und Häuser, eingebettet in Wiesen und Wälder. Ein Kirchturm glänzte in der Sonne. Dieser Anblick vermittelte vielen Geschwistern das Gefühl, dass der himmlische Vater mit ihnen ist.“

Doch auch die Gemeinde Graz kämpfte mit der Wetterlage. Nach der Wanderung hatten sich die Teilnehmer bereits auf das gemeinsame Würstelbraten eingestellt, das an der von der Stadtgemeinde eingerichteten Grillstelle stattfinden sollte. Aber der heitere Himmel hatte sich verdüstert und ein Gewitter war aufgezogen, in dem sich Regen mit Hagelkörnern mischte. „Man konnte an den enttäuschten Augen eines Bruders sehen, wie sehr er sich im Interesse der Kinder auf dieses Vergnügen gefreut hatte“, berichtet Schwester Gschwandner. 'Doch die Jugendlichen hatten mit geschnitzten Astgabeln vorgesorgt, und nutzten die bewegliche Grillstelle beim Gemeindehaus, um die geplante Aktivität unter dem Schutz des Vordachs zuletzt doch noch auszuführen und mit Liedern und einem Dankgebet ausklingen zu lassen.' Auch hier zeigte die „Vorhut“ einer Gemeinde, wie man widrigen Umständen trotzt und so anderen Mut macht.