Hauptnavigation überspringen

'Dir gehört mein Herz für immer'

'Dir gehört mein Herz für immer'

Ich komme aus der kleinen Stadt Leninsk, in der Nähe Wolgograds in Russland. Schon seit meiner Jugend liebte ich den Deutschunterricht in der Schule sehr und hatte immer das starke Gefühl – ich müsse nach Österreich! Ich studierte Deutsche Philologie und ging nach dem Studium zunächst für ein Jahr nach Deutschland, in die Nähe von Frankfurt am Main. Damals hatte ich keine Ahnung, dass es dort einen Tempel gibt. Jetzt frage ich mich oft: Warum bin ich nie Missionaren begegnet? Ich habe nur eine Antwort: Vielleicht war es noch nicht die richtige Zeit für mich, diese Kirche kennenlernen.

Doch im Jahr 2013 erfüllte sich mein Lebenstraum, und ich konnte in Österreich als Au-Pair-Mädchen arbeiten. Ich fand ziemlich schnell eine sehr nette Familie und eine liebevolle Gastmutter gegenüber. Als ich alle Unterlagen vorbereitete, dachte ich auch viel über meinen bisherigen Glauben nach. Die Gedanken waren nicht klar, und ich fing an, die Bibel zu lesen, um vielleicht auf diese Weise Antworten zu finden.
Am 17. Mai 2013 kam ich nach Österreich. Ich wurde von der Familie Suppan in Graz sehr lieb angenommen und wir verstanden einander von Anfang an. Schon am ersten Tag erfuhr ich, dass die ganze Familie in die Kirche geht. Wir begannen das Mittagessen mit einem Gebet. Die Familie erzählte mir ein bisschen über ihre Kirche. Dass es ein Buch Mormon gibt, hatte ich schon gehört. Ich wollte die Kirche sehr gerne kennenlernen. Schon am zweiten Sonntag fuhr ich zum ersten Mal mit der Familie in die Kirche. Es war kurz nach meinem Geburtstag. Jetzt denke ich, ich habe damals ein wirklich großes Geschenk bekommen.
Als ich die Gemeinde in Graz betrat, wurde mir sofort klar, dass es mir hier gefallen würde. Die erste Person, die ich kennenlernte, war Elder Melville. Er stand bei der Eingangstür und begrüßte alle. Damals wusste ich nicht, dass wir uns bald jede Woche treffen würden. Alle Versammlungen gefielen mir sehr. Es war eine ganz neue Erfahrung – so eine Kirche kannte ich vorher nicht. Ich war auch wirklich begeistert von den Klassen. Von da an kam ich immer in die Kirche, nicht nur sonntags, sondern auch zum Familienheimabend, zum Institut und zu anderen Aktivitäten. Bei den Belehrungen war auch oft mein Gastbruder Philipp dabei. Ich fühlte mich immer ganz wohl und konnte offen und ehrlich über alles sprechen.
Das Buch Mormon las ich auf Deutsch und auf Russisch. Die erste Schriftstelle, die mich sehr berührt hat, war 1. Nephi 3:7. Da spürte ich bereits – dieses Buch ist wahr. Bald las ich jeden Tag in den Schriften. Es war so faszinierend für mich. Ich wollte mehr von der Wahrheit herausfinden. Ab Juni hatte ich dann wöchentliche Belehrungen mit den Elders. Ich konnte die Wahrheit einfach nicht leugnen. Ich verstand, dass es wirklich ganz wichtig für mich und mein Leben war, diese Wahrheit kennenzulernen! Und ich wollte nicht mehr zurück zu einem Leben ohne diese neue Erkenntnis. Ich verstand – dieser Weg ist richtig, doch er wird nicht leicht sein. Ich fühlte auch, dass ich mein ganzes Leben immer weiter lernen will.

Und am 12. Oktober wurde ich getauft und einen Tag später konfirmiert! Am nächsten Tag wurde ich als Gemeindemissionarin berufen. Ich bekam die Berufung, um die ich gebetet hatte. Ich war überglücklich. Damals wurde mein Zeugnis vom Gebet sehr gestärkt. Das Zeugnis habe ich dann auch mit allen bei der Zeugnisversammlung geteilt. Ich glaube, diese Berufung ist eine gute Vorbereitung – denn ich möchte gern auf eine Vollzeitmission gehen. So könnte ich dem Herrn für alles danken, was ich jetzt in meinem Leben habe, für mein neues Leben! Ich möchte ihm für seinen Sohn Jesus Christus und sein Sühnopfer und Vorbild danken. Für alle Kenntnisse und Wahrheiten, für Freude und Glück, für meine Gedanken und Wünsche, die ich dank ihm habe. Und für die Sicherheit, die ich in meinem Leben spüre und die mir innere Ruhe bringt.


Mich taufen zu lassen, war eine eine der besten und wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben. Vielleicht sogar die beste! Ich habe Bündnisse mit Gott geschlossen und den Namen Jesus Christus auf mich genommen, ich habe ihm versprochen, bis ans Ende auszuharren. Das ist wirklich mein Herzenswunsch. Ich kann nicht sagen, wann ich in meinem Leben so große Dankbarkeit empfunden habe.


Die Taufe ist ein neuer Anfang für mich! Ich weiß, Gott hat für mich diesen Weg vorbereitet, und ich werde mich bemühen, immer auf diesem Weg zu bleiben.

In Kürze fahre ich zurück nach Russland. Leider bekam ich bei der Entscheidung, mich taufen zu lassen, bisher keine Unterstützung von meiner Familie. Es wird also nicht leicht sein. Ich weiß aber auch, dass ich nicht allein bin. Ich hab hier viele Freunde, mit denen ich in Kontakt bleibe, und die mich unterstützen, wenn ich es brauche. Ich weiß, dass unser Vater im Himmel immer bei mir ist und auf mich aufpasst. Wenn ich an meine Zukunft denke, kommen mir immer diese schöne Worte aus einem Lied in den Sinn: “...dir gehört mein Herz für immer, wo ich bin an jedem Ort…”