Eine Freundschaft führte zur Taufe

    Eine Freundschaft führte zur Taufe

    Brixen: Zu Beginn unserer Mission in Brixen/Südtirol überraschte uns dort die Situation bedürftiger Menschen. Paula Schöpf war eine davon. Ihr Kühlschrank war leer und all ihre Ressourcen waren aufgebraucht. Paula gehört der Volksgruppe der Sinti an. Die Sinti und Roma wurden früher volkstümlich als „Zigeuner“ bezeichnet. Damals waren sie ein fahrendes Volk, doch heute sind die meisten sesshaft. Paula wurde in Bozen geboren. Ihren Vater konnte sie nie kennenlernen, da er kurz nach ihrer Geburt im Alter von 26 Jahr verstarb. Da ihre Mutter längere Zeit im Gefängnis saß, konnte auch sie sich nicht um die kleine Tochter kümmern. So lebte Paula bis zu ihrem 4. Lebensjahr bei ihren Verwandten in einer Großfamilie. Paula erinnert sich gerne an ihre Großmutter, durch die sie reichlich Liebe und Geborgenheit erfuhr. Ihrer Großmutter gelang es, Ende des Zweiten Weltkrieges aus Ausschwitz zu fliehen. Sie siedelte sich daraufhin in Südtirol an. Leider verstarb ihre geliebte Großmutter, als Paula 17 Jahre alt war.

    Paula heiratete mit 18 Jahren. Aus dieser Ehe entsprangen sieben Kinder. Zuerst bekam sie eine Tochter, gefolgt von Zwillingen, einen Knaben und ein Mädchen. Dann folgte ein Sohn und als krönenden Abschluss gebar sie Drillinge, alles Mädchen. Am 11. Februar dieses Jahres wurde sie zum 23. Mal Großmutter. Es ist bemerkenswert, wie Paula es schaffte, mit ihrer Großfamilie in einem Wohnwagen zu leben. Hinzu gesellten sich noch fünf ledige Schwäger. Es war ein täglicher Kampf, die Familie zu versorgen. Als im Jahre 1991 zudem noch ihr Mann verstarb, erschwerten sich ihre Lebensumstände zusehends.

    Nach einigen Jahren arbeitsbedingten Aufenthaltes in München übersiedelte Paula nach Brixen. Hier lebt sie nun schon seit acht Jahren. Es ist ein gutes Jahr her, dass uns Bruder Helmut Fischnaller aus der Gruppe Brixen mit Paula bekannt gemacht hat. Wir konnten ihr seit dieser Zeit in ihrer finanziell und emotional schwierigen Situation zur Seite stehen und wir bauten eine tiefe Freundschaft auf. In Paula selbst entstand der Wunsch, Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu werden. Die Sisters in Brixen begannen sie zu belehren, und am 19. Juli 2014 wurde sie getauft. Es war für Paula ein Neubeginn in ihrem Leben und wir begleiten sie gerne auf diesem neuen Weg.

    Es ist erstaunlich, dass Paula heute Buchautorin ist. Sie hat sich das Lesen und Schreiben selbst beigebracht. Ihre Gedichte und Themen gehen weit über die Sinti- und Roma-Thematik hinaus. Es sind Texte, in denen sich existentielle Erfahrungen der Autorin widerspiegeln. In ihren literarischen Werken tritt sie unter dem Künstlernamen ‚Paula Bloom‘ auf.

    Die Erfahrungen, welche wir mit Paula machen durften, haben unser Leben bereichert und unser Verständnis für bedürftige Menschen erneuert.

    Ein Gedicht von Paula Bloom:

    Traurige Tage

    Traurige Tage

    Nicht die Vergangenheit macht mich traurig

    Mich erschrecken die Tage

    Die vor mir liegen

    Ohne dich

    Bin ich ein einsamer Baum

    Auf endlosen Feldern

    Wo’s keine Blumen mehr gibt

    Keine Sterne

    Bald trägt mich der Schlaf hinweg

    Wie eine Blume drück mich an dein Herz

    Halt meine Hand

    Bis der Wind

    Mich fort trägt

    An deine Seite

    Hin in den Himmel